ULF POSCHARDT IM INTERVIEW ÜBER DEN FERRARI TESTAROSSA


Eigentlich kennt man ihn aus Polit-Talks wie Maischberger, Markus Lanz oder Hart aber fair. Aber Ulf Poschardt ist nicht nur WELT Herausgeber, meinungsstarker Journalist und Buchautor, sondern auch einfach ein waschechter Car Guy. Und deshalb war Motorikonen auch der allererste Auto-Podcast, in dem er zu Gast war.

Ulf Poschardt und ich sprechen über seine Leidenschaft fürs Autofahren. Seine Liebe zu Porsche und Ferrari. Und vor allem natürlich über seinen schwarzen Ferrari Testarossa, über den er so tiefgründig und wahrhaftig zu sprechen weiß wie sonst wohl kaum jemand. Freut Euch auf totale Autonerdigkeit, höchste Eloquenz und belesenen Tiefgang. Hört rein in Ulfs geballtes Wissen und seine Erfahrung aus fast 10 Jahren Testarossa-Fahren. Diese Folge von Motorikonen ist in 2 Teilen erschienen.

„Als ich den Ferrari Testarossa Probe gefahren bin, dachte ich: Das ist der Hammer.“


Ferrari-Testarossa-Fahrer Ulf Poschardt (Foto: Motorikonen)

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Ulf Poschardt über den Ferrari Testarossa (Preview).

Ich spreche mit Ulf Poschardt über seine Sicht aufs Thema Sportwagen. Und natürlich über seinen Ferrari Testarossa: Ulf fährt einen schwarzen, seit 10 Jahren schon.

Der Ferrari Testarossa (Foto: Ferrari)
Marke Motoerikonen: “Ich weiß, das ist unfein, aber lass uns mal kurz drüber sprechen, was das bedeutet, wenn beim Ferrari Testarossa der Motor raus muss, für den Zahnriemenwechsel. Ungefähr. Ist es noch vierstellig oder ist es schon fünfstellig?”
Ulf Poschardt: “Ne, ne, vierstellig. Das kommt ja durch diesen Subframe, also beim Ferrari 355 ist es teurer als beim Testarossa. Und du informierst dich natürlich auch immer. Also ich meine, wenn du jetzt nicht in Geld schwimmst, dann musst du einfach die Haltungskosten im Blick haben.

Es war total rührend: Als ich zum ersten Mal beim Testarossa den Zahnriemen machen musste, da musste ich auch die Kupplung machen. Und der alte Meister bei Ferrari, der das Auto kennt, seit es auf dem Markt war, der hat mich angerufen: „Also wenn sie ihr Auto mal sehen wollen, wie es aussieht, wenn man Motor und Getriebe und alles raus holt, dann kommt sie jetzt mal vorbei.“ Und das fand ich so nett, weil ich war halt sehr jung und die haben so gemerkt, das ist kein Typ, der im Geld schwimmt, wie die Immobilien- und Investment- und Venture-Jungs, sondern der spart sich das echt vom Mund ab, weil er es so liebt. Und dann bin ich da reingekommen und dann hing er da oben. Und du siehst, das ist praktisch wie im Rennwagen, da ist dann nur noch der Rahmen übrig.

Also: Ferrari fahren ist echt teuer. Ferrari fahren ist aber nicht so teuer wie alle denken, wenn du alle Tassen im Schrank hast. Es fängt ja schon damit an: Kauf ein vernünftiges Auto. Kauf ein Auto, wo du die Geschichte kennst. Kauf ein Auto, das gut geserviced ist. Ich habe bei Porsche mal richtig daneben gegriffen. Ich bin echt de facto betrogen worden, muss man sagen. Sonst habe ich immer gut gekauft. Und ich kaufe mir keinen Ferrari, ohne nicht so einen echten Nerd da drauf gucken zu lassen. In der Ferrari Welt gibt es richtig schlimme Leute. Und gerade wenn du auf Vintage stehst: Geschichte ist wichtig, Serviceheft ist wichtig. Und dadurch kann man es eigentlich eingrenzen. Das Risiko bei Oldtimern bleibt immer. Aber du kannst die Gefahrenzone gut eingrenzen. Und da muss man halt auch die Preisentwicklungen angucken. Dann weiß man: Jetzt ist ein guter Kaufpunkt. Als ich den Testarossa kaufte, war er schon nicht mehr so billig, aber noch irgendwie erschwinglich. Und jetzt marschieren die Preise ja auch nach oben. Also besonders die frühen Modelle mit Monodado und Monospecchio. Und auch die 512 TR sind richtig brutal nach oben gegangen. Ich finde aber immer noch, dass der Ferrari Testarossa unterbewertet ist für die ikonische Bedeutung, die er hat.”

Marke Motoerikonen: “Luca di Montezemolo hat nach dem Testarossa ja gesagt, wir gehen weg vom Mittelmotor, wir machen wieder einen Fromntmotor GT. Und dann kam der Maranello. Hast du verstanden warum?”
Ulf Poschardt: “Ja, ich glaube schon. Ich glaube, er hat den Zeitgeist richtig gelesen, dass diese totale Inkarnation dieses wilden 80er Jahre Hedonismus, dass die in den 90er Jahren an ihr Ende kommt. Ich meine, ich finde den Sprung vom Ferrari 348 zum 355 genauso bemerkenswert wie den vom Ferrari 512M zum 550. Das ist einfach so: Ich glaube Luca di Montezemolo, der ja ein sehr vornehmer Italiener ist, der hat an Villen am Comer See gedacht, an Autos, die leise über Kieselsteine rollen und an Männer, die Frau um halb fünf abholen und dann zum Abendessen nach Paris ballern, so. Oder an die Riviera oder die Cote d’Azur oder so. Und ich glaube, 1993 oder 96 oder 97 in einem Monster wie dem Ferrari Testarossa da anzurollen, ich glaube, das hätte nicht mehr funktioniert. Die Mode war anders, nicht mehr breitschultrige Versace Jackets, sondern eher die schmalen 60er-Jahre-Looks von Helmut Lang. Eleganter und nicht so dick aufgetragen.”