Der Mercedes 600 (W100) mit Roman Wörle


Der Mercedes 600 der Baureihe W100 ist das Auto, das auch heute noch als das vielleicht beste aller Zeiten gilt. Kein Wunder, denn der 600er war in den 60ern und 70ern der Inbegriff des absoluten Luxus und des maximal technisch Machbaren. John Lennon. Elvis. Udo Jürgens. David Bowie. Max Grundig. Der Schah von Persien. Herbert von Karajan. Coco Chanel. Gunter Sachs. Grazia Patrizia. Sie alle hatten einen. Oder mehrere. In dieser Folge von Motorikonen spreche ich mit Roman Wörle, einem der renommiertesten Experten für den Mercedes 600. Wir klären unter anderem so wichtige Fragen wie: Welche Autos aus prominentem Vorbesitz schon in seiner Werkstatt waren. Was ein Paar Scheinwerfer für den 600er kostet. Und: Welche der vielen unvernünftigen 600er Varianten eigentlich die vernünftigste Wahl ist.

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„Bei 600ern für 50.000 € muss man oft 150.000 € in die Technik stecken.“


Roman Wörle von Wörle Fahrzeugtechnik (Foto: Motorikonen)

Mercedes-Benz 600 (W100)


Technische Daten Limousine
Motor: Achtzylinder-V-Motor (M100), 6.332 ccm, 250 PS, 500 Nm
Kraftübertragung: Viergang-Automatik mit hydraulischer Kupplung
Länge: 5.540 mm
Radstand: 3.200 mm
Fahrleistungen: 0-100 in 9,7 Sekunden, Vmax 205 km/h
Leergewicht: 2.475 kg
Stückzahl: 2.190

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PREVIEW: Roman Wörle im Interview.

Roman Wörle kennt die Technik des Mercedes 600 wie kaum sonst jemand auf der Welt. Im Interview spricht er über die Details und Tücken des Luxusliners. Unten ein kleiner Auszug.


Früher roter Teppich, heute Hebebühne: Mercedes 600 (Foto: Motorikonen)
Marke Motoerikonen: Wieviel komplizierter ist eigentlich ein W100 600er Mercedes gegenüber zum Beispiel einem W109 300 SEL 6.3? 
Roman Wörle: Im Gesamten? Um einiges. Der Motor ist der M100, der baugleiche Block. Der hat beim 600er natürlich mehr Bauteile, eine zweite Lichtmaschine, die Komforthydraulikpumpe, die Ansaugkanäle und der Krümmer laufen anders, weil mehr Platz da ist als bei W109. Oder zum Beispiel die ganz, ganz komplizierte Wasserpumpe mit Viskolüftung. Die hat der W109 6.3 auch nicht, die ist ein ganz anderes Teil. Der 6.3er hat eine normale Wasserpumpe, die hat vorne einen Viskolüfter drauf. Und beim 600er geht das mit Öl, damit wird die Wasserpumpe gesteuert. Die ist ein Riesenteil, die hat innerlich noch einen Ölkreislauf, um den Lüfter zu- und abzuschalten. Das geht wiederum über ein anderes Ventil, über Motoröl und das ist wahnsinnig aufwändig.
Marke Motoerikonen: Hat das einen Vorteil oder hat das Mercedes nur gemacht, damit das komplizierter ist?
Roman Wörle: Einen Vorteil hat das schon, das ist einfach wesentlich genauer vom Lüfter her als das Bi-Metall beim 6.3er. Das ist einfach von der Öltemperatur her wesentlich genauer zu dosieren. Das ist der Vorteil. Aber natürlich mit einem wahnsinnigen Aufwand. Damals, als es die Wasserpumpe noch neu gab, hat sie zigtausende von Euros gekostet. Jetzt, wenn wir sie überholen, dann sind die Wellen eingelaufen und dann muss man das alles überholen und das ist wahnsinnig aufwändig. 
Marke Motoerikonen: Was macht denn die Komplexität vom 600er vor allem aus?
Roman Wörle: Das Hauptproblem ist natürlich die Komforthydraulik. Die besteht aus der Pumpe, die von einem Keilriemen angetrieben wird und geht dann in einen Speicher rein. Die Pumpe erzeugt Druck, so knapp an die 200 bar. Dieser Druck geht in einen stickstoffgefüllten Speicher, um alles auch dann noch zu versorgen, wenn der Motor aus ist: Fensterheber, Stoßdämpfer (weich und hart), die ganzen Sitzverstellungen, auch der Kofferraum geht hydraulisch auf und zu. Auch die Luftklappen gehen hydraulisch. Mit vielen Schaltern, vielen Zylindern und Dichtungen, die teilweise nur einen Millimeter Durchmesser haben. Und die Türzuziehhilfe, die allerdings nur bei frühen Fahrzeugen verbaut wurde.
Marke Motoerikonen: Was sind denn typische Problem-Ersatzteile, die man nicht bei Mercedes bekommt?
Roman Wörle: Zum Beispiel europäische Frontscheinwerfer. Die werden in Gold aufgewogen. Da zahlen Sie heutzutage für ein gutes Paar gebraucht so 6.000 – 8.000 Euro. Und da gibts viele Sachen. Chromteile. Stoßstangen. Kühlergrill. Auch Hydraulikteile. Wir lassen auch relativ viel nachfertigen, auch technisch verbessern teilweise. Es muss ja weitergehen. Da gehören dann auch Schlachtfahrzeuge dazu. Da wurde ich auch schon geschimpft, wie man solche Autos schlachten kann. Aber die sind dann dermaßen schlecht, dass es anders nicht geht. So leid mir das tut. 
Marke Motoerikonen: Der Mercedes 600 war ja immer ein Auto der Reichen und Berühmten: Udo Jürgens, Coco Chanel, Elvis, Herbert von Karajan, Gunter Sachs, David Bowie… welche Autos mit so einer Vorgeschichte waren denn schon bei Ihnen?
Roman Wörle: Wir haben zum Beispiel regelmäßig das frühere Auto von Grace Kelly aus Monaco hier, das Auto von Nicolae Ceausescu oder das von Dr. Oetker. Für das Auto von Udo Jürgens haben wir auch schon Teile gemacht, auch für das Auto von Elvis. Ich denke mal, bei vielen wissen wir es auch nicht, weil es nicht belegt ist. Ich habe auch schon Fahrzeuge gesehen, da hat Mercedes auf Wunsch Smith & Wesson-Halter eingebaut. Bei einem anderen hat sich der Besitzer eine Schnapsbar einbauen lassen. Aus der Bar klappt ein Halter raus, dann drückt man einen Knopf und da kommt Schnaps raus. 

Das ganze Interview: Jetzt bei Motorikonen im Podcast.

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