MARC CHRISTIANSEN IM INTERVIEW ÜBER DEN MERCEDES SL R129


Ich spreche über DEN legendären SL mit jemandem, der sich in Sachen Mercedes-Benz wohl auskennt wie kein Zweiter: Marc J. Christiansen wurde bekannt als „Herr „Dreikommanull“ in den frühen Videos des YouTube-Channels „Fünfkommasechs“. Bei Instagram findet Ihr ihn unter dem Namen „der_landgraf“. Marc bringt nicht nur profundes Wissen zur Baureihe R129 mit, sondern auch ein unglaublich großes Archiv mit interner Mercedes Literatur.

Und dann ist da ja auch noch unser Special Guest Wolfgang Kalbhenn, der als Motorenentwickler bei Mercedes den damals neuen V8 der Baureihe M119 mit aus der Taufe hob. Und unter anderem auch den allerersten R129 auf ausgedehnten Probeläufen in den USA steuerte. Wolfgang liefert uns in Teil 2 der Folge faszinierende Einblicke in den Mercedes-Entwicklungsalltag und in die aufregende Zeit der Entstehung des R129.

Diese Folge ist in vier Teilen erschienen.

„Der R129 ist legendär. Wegen des Designs, aber auch wegen seiner Qualität und Zeitlosigkeit.“


Marc J. Christiansen neben einem anderen legendären SL

„ICH FUHR DEN ALLERERSTEN R129 QUER DURCH DIE USA.“


Wolfgang Kalbhenn, Mercedes-Motorentwickler

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Marc Christiansen über den Mercedes R129. (Preview)

Von Mercedes-internen Weichenstellungen im Vorfeld des R129 bis zu Details der Modellpflegen: Marc Christiansen gibt spannende Einblicke. Unten ein kleiner Auszug.

Der Mercedes SL der Baureihe R129, hier als SL500 Mopf 1.
Marke Motoerikonen: Wie traf man eigentlich bei Mercedes die Entscheidung, welche Topmotorisierung der R129 bekommen sollte?
Marc Christiansen : Da gab es damals die Vorstandsentscheidung, wir machen einen M119, also eine Art M117-Mehrventiler. Dann hieß es, okay, wir bauen einen M119 E56-32, also einen 560 SL-32. Das war der geplante Spitzentyp, bis er abgesägt wurde im Dezember 1986. Da hieß es nämlich plötzlich: Wir bauen einen M120, also den neuen V12. Also wurde der M119 nicht mehr als Spitzentyp positioniert, sondern sozusagen gedeckelt als 500 SL-32. Warum betone ich „32“ so komisch? Weil das wirklich bis kurz vor Markteinführung hätte auf dem Heckdeckel stehen sollen. Also als klare Reihe: 300 SL, 300 SL-24 (den gab es ja wirklich) und dann eben 500 SL-32. Weil man das so erzählenswert gefunden hat: Wir haben einen Vierventiler. Ist aber dann doch nicht so nicht gekommen.
Marke Motoerikonen: Und wie kam es zum V12 im R129?
Marc Christiansen: Am 9.12.1986 war die offizielle Geburtsstunde, weil da gesagt wurde: Okay, Feuer frei, liebe Motorenentwickler, baut mal einen Krönungsmotor, einen V12. Als Reaktion auf den BMW V12.
Aber… ich habe auch noch ein anderes Datum gefunden: Denn schon am 11. April 1984 wurde auf der Entwicklungsleitersitzung beschlossen, wir bauen mal einen V12 Motor. Und dieser V12 Motor hat einen Zieltermin bekommen: Premiere IAA 1985. Also ganz knapp und eng auf Knopf. So, und dann wurde halt rumentwickelt, rumgemacht und getan. Man ist rausgekommen bei einem 60 Grad V12 Kompaktmotor mit einem Hubraum von 5,2 Litern. Am 29. Juli 1985, bevor also bekannt war, dass BMW wirklich einen V12 bringt, lief dieser Motor schon auf den Prüfstand, brachte 230 kW (312,8 PS) auf der Rolle. Dieser Motor lief so gut das Standardprogramm durch, dass er sofort in einen 560 SL Vor-Serienwagen reingezimmert wurde. Dann nach Ehra Lessien, kennt jeder, Volkswagen, riesiges ehemaliges Bundeswehr-Testgelände, die schönste Teststrecke Deutschlands. Gegen einen Serien-560 SL. Der V12 brachte eine Vmax von 247,5 kmh, nicht schlecht. Null auf 100 waren beide Fahrzeuge identisch. Ab 140 zog der Zwölfzylinder davon. Bei Null auf 200 war er eine Sekunde schneller, bis 220 sogar zwei Sekunden schneller. 
So, warum kennt man diesen Motor so nicht? Weil leider schon am 5. Dezember 1985, damals war Professor Niefer noch Produktionsvorstand, gesagt hat: Nee Leute, den Motor können wir nicht bauen, weil da brauchen wir eine komplett neue Produktionsstraße in Untertürkheim für den kompletten Motor. Der hat ja keine Verblockung mit gar nichts. Der ist nicht mit dem V8, nicht mit dem 16-Ventiler, mit nichts verblockt. Also: Ist nicht.
Also hatte Mercedes in dieser Zeit durchaus einen V12 in Reichweite. Aber eben nicht genau den, der später kam.